Es war der 23. März 2014. Ein ganz normaler Sonntag, der unser Familienleben für immer verändern sollte. Alles begann mit einer Geocaching-App und der Suche nach einem kleinen, versteckten Behälter. Die Spur führte uns nach Dresden (Wilder Mann). Vor Ort fanden wir zwar kein intaktes Pionierlager mehr vor, aber die verwitterten Mauerreste im Dickicht faszinierten uns sofort. Wir fanden den Cache, trugen uns ins Logbuch ein – doch der wahre Schatz, den wir an diesem Tag hoben, war die Neugier.
Zuhause angekommen, begannen wir zu graben. Nicht in der Erde, sondern in der Geschichte. Wer hatte hier gelebt? Was war das für ein Ort? Die Antworten ließen uns nicht mehr los, und aus dem Sonntagsausflug wurde ein absoluter Selbstläufer.
Die Spur der vergessenen Orte
Unsere Recherche führte uns von einem Rätsel zum nächsten. Kurz nach unserem ersten Fund stießen wir auf Hinweise zum ehemaligen FDGB-Ferienheim „Seefrieden“. Bei unserer Erkundung vor Ort stießen wir nicht nur auf die verlassenen Räumlichkeiten, sondern auf eine vergessene Abhörstation und tief im angrenzenden Wald einen kleinen, verborgenen Bunker. Die Faszination war endgültig besiegelt.
Der nächste Schritt führte uns tief in die Militärgeschichte zur ehemaligen Liegenschaft Nr. 1084. Ein riesiges Areal, das uns allen im Gedächtnis bleiben sollte – ganz besonders dem „Großen“ (unserem Scout).
Er war damals gerade 13 Jahre alt, als wir einen alten Speiseraum betraten. Die Türen standen sperrangelweit offen, die Stille war greifbar. Plötzlich zog ein heftiger Windstoß durch das entkernte Gebäude, erfasste eine der schweren Türen und schlug sie mit einem ohrenbetäubenden Knall direkt hinter uns ins Schloss! Der Schreck fuhr dem 13-Jährigen damals durch Mark und Bein – ein absolut filmreifer Lost-Place-Moment, der für ihn bis heute, über ein Jahrzehnt später, absolut präsent ist und den er wohl nie vergessen wird.
Aus einem Schreck wurde ein Lebenswerk
Aus diesem anfänglichen Abenteuer ist über die letzten 12 Jahre eine monumentale Aufgabe geworden. Was mit einer Handvoll Handyfotos begann, umfasst heute ein riesiges Archiv von über 1,6 Terabyte Bildmaterial, historischen Plänen und geretteten Chroniken.
Wir jagen heute keine Geocaches mehr. Wir jagen die Geschichten, die der Wind durch die zerbrochenen Fensterscheiben flüstert – respektvoll, dokumentarisch und als Familie über drei Generationen hinweg.