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Das Erbe des Namenswirrwarrs

Wir machten uns auf den Weg, um den Stiefbruder zu besuchen. Vor Ort bat man uns jedoch höflich, an einem anderen Tag wiederzukommen, da der Zeitpunkt ungünstig war. Wir hinterließen unsere Telefonnummer in der Hoffnung auf eine Rückmeldung.

Kurz darauf traf erneut Post vom Hauptstaatsarchiv ein: Es gab tatsächlich umfangreiche Unterlagen zum Transport. Aufgrund des enormen Seitenumfangs war eine Einsicht jedoch nur über eine kostenpflichtige Reproduktion möglich.

In einem persönlichen Telefonat mit der zuständigen Archivarin besprachen wir das anhaltende Namensrätsel: Weder „Reinhold“ noch „Reinhard“ tauchten mit dem gesuchten Familiennamen in den Transportlisten auf. Aus unseren bisherigen Recherchen wussten wir, dass die sowjetischen Besatzungsorgane große Probleme mit der Schreibweise deutscher Vornamen hatten – aus Peter wurde in den Listen oft Pjoter oder ähnliche phonetische Abwandlungen.

Ich bat die Archivarin, die Listen noch einmal mit allen erdenklichen Schreibweisen durchzugehen und den Familiennamen zu ermitteln, der bei „Reinhold“ eingetragen war. Die historischen Transportberichte zeichneten ein klares Bild des damaligen Chaos: Die Originallisten waren auf Russisch verfasst, Dolmetscher fielen aus und die deutschen Transportbegleiter mussten die Erfassung während der Fahrt unter extremen Bedingungen selbst organisieren. Die Fehlerquote bei Namen und Daten war dementsprechend hoch.

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