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Die Stille hielt an. Und während man wartet, sucht man weiter, kleinteiliger, bei den Namen, die man längst kennt. Wir wälzten wieder Adressbücher, um alte Wohnorte zu finden, und blieben an dem Dachau-Rätsel aus einem früheren Kapitel hängen: dem Karl, der dort mit nur einem eingetragenen Kind verzeichnet war, obwohl die Familienüberlieferung von drei Kindern sprach.

Im September dann erreichten uns an einem einzigen Tag zwei E-Mails, die alles veränderten.

Die erste: Die Geburtsurkunde von Karl sei auf dem Postweg zu uns unterwegs. Wir hatten sie beantragt und würden bald endlich schwarz auf weiß sehen, was bisher nur Vermutung war.

Die zweite E-Mail aber ließ uns beide für einen Moment verstummen. Es war die Sterbeurkunde von Paul.

Gelesen hatte sie als Erste Jenny — mitten in ihrer Erzieherinnen-Weiterbildung, das Handy eigentlich nur für die Pause gedacht. Doch als sie den Absender sah, hielt sie es nicht mehr aus. Aufgeregt informierte sie uns, noch bevor wir selbst einen Blick hineinwerfen konnten — die Neuigkeit, die Monate der Suche in sich trug, erreichte uns durch sie.

Wir erfuhren seinen Geburtstag: den 18. Oktober 1919. Und sein Sterbedatum: den 12. April 1949, im Krankenhaus Aachen. Und dann der Satz, der uns den Atem anhalten ließ: als Vater eingetragen war Karl. Derselbe Karl, der schon im Dachau-Dokument aufgetaucht war? Die endgültige Gewissheit würde uns erst die Geburtsurkunde bringen, die bereits zu uns unterwegs war — aber die Wahrscheinlichkeit lag plötzlich greifbar nah.

Gemeldet hatte den Sterbefall ein Johannes. Ein Name, der uns zunächst nichts sagte — bis wir begriffen: In den mündlichen Familienerzählungen war immer nur von Hans die Rede gewesen. Hans war Johannes, nur abgekürzt, wie es damals üblich war. Ein Mensch, der bisher nur als Randnotiz existiert hatte, bekam plötzlich einen vollen Namen und eine Rolle in der Geschichte.

Ganz unten auf der Urkunde schließlich noch ein letzter Hinweis, fast beiläufig vermerkt: ein Verweis auf eine Eheschließung mit Frieda, im Jahr 1943, in Preußisch Eylau, Eintrag Nummer zwei.

In den Tagen danach beschäftigten wir uns intensiv mit diesem Johannes — mit Hans, der plötzlich mehr war als nur ein Name am Rand. Und noch eine helfende Hand reichte sich uns in dieser Zeit: Carolas Schwester leitete eine E-Mail weiter, die vielleicht, endlich, die Tür zu FamilySearch öffnen könnte.

Es bleibt spannend. Und wieder einmal heißt es: warten, und dabei geduldig sein.

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